Segelfliegen in Sizilien: Warum die Insel mehr verspricht, als sie an Vereinen hält
Segelfliegen in Sizilien: Warum die Insel mehr verspricht, als sie an Vereinen hält
Du tippst „Segelflugverein Sizilien" in die Suchleiste und bekommst: Gleitschirmreisen nach Palermo, ein Instagram-Account vom Aeroclub Boccadifalco, ein paar Motorflug-Rundflüge über Mondello. Kein Windenstart, keine ASK 21, kein Verein, der dir am Telefon sagt, wann die erste Thermik steht. Das ist kein Zufall und keine schlecht gepflegte Website – das ist der eigentliche Stand der Dinge, und den solltest du kennen, bevor du Flug und Unterkunft buchst.
Inhaltsverzeichnis
- Warum die Suche nach einem Segelflugverein ins Leere läuft
- Das Wetter, von dem Segelflieger im Norden nur reden
- Boccadifalco: Palermos Flugplatz mit Geschichte, aber ohne Winde
- Der Ätna und die Thermik im Landesinneren
- Nasciemi und das Erbe von Angelo d'Arrigo
- Was du als deutscher Segelflieger tatsächlich tun kannst
- Beste Reisezeit
- Häufige Fragen
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| Segelflug über Sizilien |
Warum die Suche nach einem Segelflugverein ins Leere läuft
In Deutschland ist die Trennung klar: Segelfliegen bedeutet ein starres Flugzeug ohne Motor, Windenstart oder Flugzeugschlepp, ein Verein mit Flugplatz, Halle und Vereinsheim. Gleitschirm- und Drachenfliegen sind eine andere Sportart, auch wenn beide dieselbe Thermik nutzen. In Italien – und speziell auf Sizilien – ist diese Trennung in der Praxis kaum vorhanden. Was du unter „volo a vela" findest, ist zu 95 Prozent Gleitschirm. Der Grund ist simpel: Ein Gleitschirm passt in einen Rucksack, ein Segelflugzeug braucht eine Halle, eine Winde, eine Start- und Landebahn von mehreren hundert Metern und einen Verein, der das alles über Jahrzehnte finanziert. Sizilien hat die Thermik für Segelflug. Es hat nur kaum die Infrastruktur dafür aufgebaut – anders als etwa Norditalien mit Vereinen in der Poebene oder den Alpen.
Das Wetter, von dem Segelflieger im Norden nur reden
Das eigentlich Ärgerliche daran: Sizilien hätte die Bedingungen. Die Nähe zu Nordafrika sorgt für milde, fast frühlingshafte Temperaturen selbst im Winter, und Thermik entsteht hier fast ganzjährig – kombiniert mit dynamischem Hangaufwind an den Küsten. Rund um Palermo zählen Piloten der freien Szene über 60 einzelne Flugspots, mit Soaring-Gebieten direkt an der Küste und Thermik- sowie Streckenflug-Möglichkeiten im nahen Gebirge. Für Segelflieger heißt das übersetzt: lange Saison, verlässliche Bärte, wenig Downtime durch Schlechtwetterphasen. Genau die Art von Bedingungen, für die man in Deutschland ganze Vereinsreisen ins Ausland organisiert – nur dass hier eben (noch) niemand die passende Winde aufgestellt hat.
Boccadifalco: Palermos Flugplatz mit Geschichte, aber ohne Winde
Der Flugplatz Palermo-Boccadifalco (ICAO: LICP) ist die naheliegendste Adresse, wenn du dich in die sizilianische Flugszene einklinken willst. Der dort ansässige Aero Club „Beppe Albanese" fliegt seit 1949 und ist vor allem für den Giro Aereo Internazionale di Sicilia bekannt, eine Traditionsveranstaltung im Motorflug. Angeboten werden Rundflüge, eine PPL-Ausbildung und Hangarplätze – Segelflugbetrieb mit Winde oder Schleppmaschine gehört aktuell nicht zum Programm. Wer trotzdem den Kontakt sucht, findet dort zumindest Piloten, die die Luftraumstruktur, die Thermikfenster und die bürokratischen Spielregeln Siziliens kennen. Das ist mehr wert, als es klingt, wenn du selbst einen Schleppflug organisieren willst.
Der Ätna und die Thermik im Landesinneren
Wer sich das sizilianische Thermikprofil auf der Karte vorstellt, kommt am Ätna nicht vorbei. Der Vulkan heizt die umliegende Luft ungleichmäßig auf und erzeugt Aufwinde, die freifliegende Piloten seit Jahren nutzen – ergänzt durch Hangwinde entlang der Küstenlinien im Osten der Insel. Für einen Segelflieger mit Streckenflug-Ambitionen ist das theoretisch ein Trainingsgebiet, wie man es sich in Mitteleuropa wünscht: hohe Basishöhen, stabile Thermikreihen, kaum Bodennebel. Praktisch fehlt bislang die Infrastruktur, um von hier aus einen Streckenflug im klassischen Sinn zu starten – die nächste befahrbare Winde steht nicht am Ätna, sondern eher in Norditalien oder auf dem Festland.
Nasciemi und das Erbe von Angelo d'Arrigo
Eine Straße, die nach einem Piloten benannt ist – das gibt es nicht oft. In Nasciemi im Südosten Siziliens führt die Via Angelo d'Arrigo direkt vom örtlichen Startplatz weg. D'Arrigo hat das Drachen- und Gleitschirmfliegen auf Sizilien maßgeblich geprägt und wird dafür in der Fliegerszene bis heute verehrt – international bekannt wurde er zudem für seine Formationsflüge mit Zugvögeln, mit denen er historische Wanderrouten nachflog. Nasciemi ist bis heute ein Fixpunkt der sizilianischen Freiflug-Szene, auch wenn dort ebenfalls kein Segelflugzeug im klassischen Sinn startet. Wer sich für die Flugkultur der Insel interessiert, kommt an diesem Ort trotzdem kaum vorbei – er erklärt, warum Freiflug hier Tradition hat, Segelflug aber nie richtig Fuß gefasst hat.
Was du als deutscher Segelflieger tatsächlich tun kannst
Drei realistische Wege, wenn du trotzdem nicht auf Sizilien verzichten willst:
Kontakt vor Ort suchen. Schreib den Aero Club Boccadifalco direkt an, bevor du buchst. Sizilianische Vereine sind es gewohnt, ausländische Piloten zu Gastflügen einzuladen, auch wenn Segelflugbetrieb nicht im Standardprogramm steht – manches lässt sich mit Vorlauf organisieren, etwa ein Schleppflug mit Rückführung.
Über den nationalen Verband gehen. Die Aero Club d'Italia (AeCI) führt eine Übersicht aller angeschlossenen Segelflug-Sektionen in Italien. Sizilien taucht dort selten auf, aber die nächstgelegenen aktiven Segelflugvereine – meist in Kalabrien oder auf dem süditalienischen Festland – nehmen Gastflieger oft unkompliziert auf.
Die Insel anders erleben. Wenn es dir in erster Linie um Thermik, Weite und das Gefühl geht, sich ohne Motor tragen zu lassen: Eine organisierte Gleitschirm- oder Streckenflugwoche rund um Palermo bringt dich an dieselben Aufwinde, nur mit anderem Fluggerät. Für viele deutsche Segelflieger, die schon einmal umgestiegen sind, ist das kein schlechter Kompromiss – manche kommen danach mit einer neuen Idee zurück, was am Heimatflugplatz an Streckenflug-Taktik übertragbar ist.
Beste Reisezeit
März bis Juni und September bis November liefern die zuverlässigste Mischung aus Thermikstärke und erträglichen Temperaturen. Der Hochsommer bringt zwar starke Thermik, aber auch Hitze über 35 Grad am Boden und Turbulenzen, die selbst geübte Piloten fordern. Wer ohnehin an die Küste reist, kombiniert die Flugtage am besten mit dem, was die Insel sonst zu bieten hat – von den Tempeln in Agrigent bis zu den Straßenmärkten Palermos, worüber du auf italien.pro mehr findest.
Häufige Fragen
Gibt es einen Segelflugverein mit Windenbetrieb auf Sizilien?
Nach aktuellem Stand nicht in dem Sinn, wie deutsche Vereine ihn betreiben. Die aktive Freiflug-Szene der Insel besteht fast ausschließlich aus Gleitschirm- und Drachenfliegern.
Kann ich am Flugplatz Boccadifalco einen Gastflug im Segelflugzeug machen?
Der Verein vor Ort betreibt schwerpunktmäßig Motorflug und Ausbildung. Ein Segelflug-Gastflug ist nicht Standardangebot, aber ein Anruf oder eine E-Mail im Vorfeld klärt schnell, was sich einrichten lässt.
Warum ist Sizilien trotzdem interessant für Segelflieger?
Wegen der Thermikbedingungen: lange Saison, hohe Basishöhen, verlässliche Bärte fast das ganze Jahr. Die Nachfrage nach besserer Infrastruktur ist unter Piloten spürbar vorhanden – sie ist nur bislang nicht durch einen Verein aufgegriffen worden.
Was ist die beste Alternative, wenn ich unbedingt sizilianische Thermik fliegen will?
Eine Gleitschirm- oder Streckenflugreise rund um Palermo oder den Ätna, organisiert über eine der etablierten deutschen Flugschulen mit Sizilien-Programm.
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