Um nicht zu vergessen: Die Reise der Familie Schiliro von Sizilien nach Karlsruhe

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Migration, Identität und La Dolce Vita – Begegnungen in der Toro Tapasbar Karlsruhe Wer ein Restaurant führt, serviert nicht nur Speisen. Man serviert Begegnungen. Gespräche. Biografien. In meinem Restaurant Toro Tapasbar in Karlsruhe wird das besonders deutlich. Zwischen Espressotassen und Tapas tellern entstehen Geschichten, die größer sind als jede Speisekarte. Eine dieser Geschichten beginnt mit Felix. Und mit Sizilien. Ein Café in der Toro Tapasbar Karlsruhe – und plötzlich eine Lebensreise Felix ist einer dieser Gäste, mit denen man sich gern auf einen Kaffee zusammensetzt. Kein lautes Auftreten, kein großes Theater. Er hört zu. Erzählt ruhig. Und irgendwann sagt er: „Anche io parlo un po' italiano. Mia mogli é siciliana.“ „Ich kann auch ein bisschen Italienisch. Meine Frau kommt aus Sizilien.“ Seine Frau heißt Loredana. Geboren in Karlsruhe. Und doch, wie Felix betont, „immer noch Italienerin“. Ihre Eltern, Mimma und Rosario Schiliro, wanderten in den 1960er Jahren aus Siz...

Die Geschichte von Enzo und seiner Familie: Eine Reise von Sizilien nach Karlsruhe

 Die Geschichte von Enzo und seiner Familie: Eine Reise von Sizilien nach Karlsruhe

Alles begann im Jahr 1964, als Sebastiano und Marianna di Cataldo ihre Heimat Sizilien verließen, um in Deutschland eine neue Zukunft zu suchen. Beide stammten aus Enna, einer malerischen Stadt im Herzen der Insel, wo das Leben schön, aber die Möglichkeiten begrenzt waren. Auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben führte sie ihr Weg nach Karlsruhe.

Eine Liebe, die in Karlsruhe begann

In Karlsruhe fanden Sebastiano und Marianna nicht nur Arbeit, sondern auch einander. Ihre erste Begegnung fand im "Rex" statt, einem beliebten Treffpunkt für junge Menschen in der Stadt. Was mit ein paar schüchternen Gesprächen begann, entwickelte sich schnell zu einer tiefen Verbindung. Die beiden unternahmen gemeinsam Ausflüge, verbrachten Zeit miteinander, und schon bald wurde ihnen klar: Sie waren füreinander bestimmt.

Die ersten Jahre in Deutschland waren für das junge Paar nicht einfach. Die Winter waren kalt, die Sprache fremd, und das Essen – mit Kraut und Lyoner – war ganz anders als das, was sie aus Sizilien gewohnt waren. Dennoch fanden sie Halt aneinander und schafften es, die Herausforderungen zu meistern. Im Jahr 1967 folgte die Hochzeit im kleinen Kreis, ein bescheidener, aber herzlicher Moment, der den Beginn ihrer gemeinsamen Zukunft markierte.

Eine Familie wächst

Kurze Zeit später wurden die beiden Eltern: 1967 kam Enzo zur Welt, und nur wenige Jahre darauf folgte sein kleiner Bruder Paolo. Die Familie wuchs und mit ihr auch der Stolz von Sebastiano und Marianna, die all ihre Energie darauf verwendeten, ihren Söhnen eine gute Zukunft zu ermöglichen.

Enzo – der Selbstständige und Freund fürs Leben

Enzo entwickelte sich zu einem zielstrebigen jungen Mann. Im Jahr 1988 machte er sich selbstständig und baute sich ein Geschäft auf, das ihn bis heute mit Stolz erfüllt: den Handel mit frischem Obst und Gemüse. Unsere Wege kreuzten sich wieder durch unsere berufliche Verbindung – Enzo beliefert mich seit vielen Jahren mit den besten Produkten für mein Restaurant.

Doch unsere Geschichte reicht noch weiter zurück. Enzo und ich kennen uns seit unserer Kindheit. Wir besuchten dieselbe Schule, und obwohl sich unsere Wege nach den ersten gemeinsamen Jahren trennten, hat uns das Leben später wieder zusammengeführt.

Kürzlich hat Enzo mich in meinem Restaurant besucht. Es war, wie immer, eine Freude, ihn zu sehen. Wir plauderten über alte Zeiten, unsere gemeinsamen Schulfreunde und unsere große Leidenschaft: den Fußball und den KSC. Natürlich sprachen wir auch über unsere Familien.

Eine Familie, verbunden durch Italien

Enzo hat heute vier Kinder: Massimo, Laura, Romina und Dennis. Obwohl alle vier in Karlsruhe geboren wurden und Deutsch ihre Muttersprache ist, schlägt ihr Herz auch für Italien. Sie teilen die Liebe zu italienischer Kultur, Musik und Traditionen. Die Familie reist regelmäßig nach Italien, um die Wurzeln zu spüren, die sie alle miteinander verbinden.

Marianna und Sebastiano, die vor Jahrzehnten den mutigen Schritt wagten, aus Enna nach Karlsruhe auszuwandern, sind ein Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann. Mit Fleiß, Mut und der Bereitschaft, sich anzupassen, schufen sie sich und ihren Kindern eine Zukunft in einem fremden Land – ohne dabei ihre Herkunft zu vergessen.


Links Enzo di Cataldo.
50 Jahre Freundschaft geben genug Sprechstoff.





Ein Blick in die Zukunft

Ich freue mich schon auf das nächste Treffen mit Enzo. Unsere Gespräche sind immer eine Quelle der Inspiration, sei es über unsere Kindheit, das Geschäft oder einfach über das Leben. Und jedes Mal spüre ich, wie sehr seine Geschichte – die Geschichte seiner Familie – ein Beispiel dafür ist, wie Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern ein Gefühl, das man mitnimmt, wohin man auch geht.

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